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Die Naturapotheke unserer Großeltern

Warum altes Kräuterwissen heute wieder so faszinierend ist

Es gibt Pflanzen, deren Namen fast jeder kennt.

Kamille. Thymian. Lavendel. Fenchel. Holunder.

Und manchmal reicht schon ihr Duft, um eine Erinnerung hervorzuholen. An eine Tasse Tee, die früher in der Küche stand. An getrocknete Kräuter im Vorratsschrank. An den Garten der Großeltern oder an ein kleines Lavendelsäckchen zwischen der Wäsche.

Doch hinter diesen Erinnerungen steckt etwas, das über viele Generationen selbstverständlich zum Alltag gehörte: das Wissen über Pflanzen.

Heute kaufen wir Kräuter meist bereits getrocknet, geschnitten und fertig verpackt. Früher begann die Beschäftigung mit ihnen oftmals viel früher.

Man wusste, wo eine Pflanze wächst. Man kannte ihre Blätter und Blüten. Man wusste, zu welcher Jahreszeit sie gesammelt wurde und welcher Teil der Pflanze verwendet werden konnte.

Dieses Wissen möchten wir in den kommenden Wochen wieder ein wenig hervorholen.

Als die Natur noch Teil der Vorratskammer war

Für unsere Großeltern und die Generationen davor war die Natur eng mit dem Jahreslauf verbunden.

Im Frühjahr erschienen die ersten jungen Kräuter. Im Sommer standen Wiesen und Gärten in voller Blüte. Gegen Ende des Sommers begann für viele Pflanzen die Zeit des Sammelns, Trocknens und Bewahrens.

Kräuter wurden gebündelt und an luftigen Orten aufgehängt. Blüten wurden vorsichtig getrocknet. Samen und Früchte wurden gesammelt und Wurzeln je nach Pflanze zu bestimmten Zeiten ausgegraben.

So entstand nach und nach ein Vorrat für die kommenden Monate.

Dabei ging es nicht ausschließlich um das, was wir heute vielleicht unter einer „Naturapotheke“ verstehen würden.

Pflanzen gehörten zum gesamten Alltag.

Sie kamen in den Kochtopf und in die Teekanne. Man stellte daraus Sirupe und Kräuterhonig her. Duftende Pflanzen kamen in kleine Stoffbeutel, andere wurden verräuchert oder für die Vorratshaltung getrocknet.

Die Grenzen zwischen Küchenwissen, Pflanzenkunde und überlieferter Hauskunde waren fließend.

Vieles wuchs direkt vor der Haustür

Das Faszinierende daran ist: Viele dieser Pflanzen sind gar nicht selten.

Spitzwegerich wächst an Wegen und auf Wiesen.

Holunder steht noch heute an vielen alten Höfen und Gärten.

Kamille erkennt man an ihren charakteristischen weißen Blüten und ihrem unverwechselbaren Duft.

Ringelblumen leuchten im Sommer und Spätsommer kräftig gelb und orange aus den Beeten.

Thymian wiederum erzählt eine ganz andere Geschichte. Seine Heimat liegt im Mittelmeerraum, doch längst gehört sein kräftiges Aroma auch bei uns zur Küche und Kräuterkultur.

Je mehr man über Pflanzen weiß, desto anders beginnt man deshalb, durch die Landschaft zu gehen.

Plötzlich ist eine Wiese nicht mehr einfach nur eine Wiese.

Wissen, das von Generation zu Generation wanderte

Früher wurde vieles davon mündlich weitergegeben.

Man schaute zu. Man half beim Sammeln. Man lernte den richtigen Zeitpunkt kennen und wusste irgendwann aus Erfahrung, wie eine Pflanze riechen oder aussehen sollte.

Natürlich war nicht jede historische Verwendung wissenschaftlich begründet. Rund um Pflanzen entstanden über die Jahrhunderte ebenso Bräuche, Volksglaube und Geschichten.

Doch gerade das macht historische Kräuterkunde so spannend.

Sie erzählt nicht nur etwas über Pflanzen.

Sie erzählt auch etwas über die Menschen, die mit ihnen lebten.

Über ihren Alltag, ihre Jahreszeiten und darüber, wie aufmerksam sie ihre unmittelbare Umgebung beobachteten.

Eine Pflanze mit allen Sinnen kennenlernen

Vielleicht ist das ein schöner Weg, sich diesem alten Wissen heute wieder anzunähern.

Nehmt eine Pflanze einmal bewusst in die Hand.

Wie sieht sie aus? Wie fühlen sich ihre Blätter an? Was passiert, wenn ihr ein getrocknetes Blatt zwischen den Fingern zerreibt? Wie riecht es? Wie schmeckt ein daraus zubereiteter Tee?

Bei Thymian begegnet uns ein kräftiges, würziges Aroma. Fenchel ist dagegen süßlich und erinnert an Anis. Lavendel ist intensiv aromatisch und blumig-krautig. Spitzwegerich schmeckt deutlich zurückhaltender und eher krautig-herb.

Plötzlich wird aus einem Namen wieder eine echte Pflanze.

Kräuterwissen seit 1887

Genau darin liegt auch ein wichtiger Teil unserer Geschichte im Kräuterparadies.

Seit 1887 beschäftigen wir uns mit Kräutern, Gewürzen, Pflanzen und natürlichen Rohstoffen.

In dieser Zeit hat sich vieles verändert.

Das Wissen über Pflanzen wurde wissenschaftlich weiterentwickelt. Alte Vorstellungen wurden teilweise widerlegt, andere traditionelle Verwendungen genauer untersucht. Verarbeitung und Qualitätskontrolle haben sich verändert.

Geblieben ist unsere Faszination für die Pflanze selbst.

Wo kommt sie her? Wie sieht sie aus? Wie schmeckt sie? Welcher Teil wird verwendet? Und welche Geschichte begleitet sie?

In den kommenden zwei Wochen möchten wir deshalb einige alte Bekannte wieder hervorholen.

Vielleicht entdeckt ihr dabei eine Pflanze aus eurer Kindheit. Vielleicht lernt ihr eine kennen, an der ihr bisher achtlos vorbeigegangen seid. Oder vielleicht erinnert ihr euch plötzlich an etwas, das eure Großmutter früher immer gemacht hat.

Denn Kräuterwissen bleibt dann lebendig, wenn wir darüber sprechen, es verwenden und an die nächste Generation weitergeben.